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Durch Hunger und Not,
besonders im Winter 1847 48, und durch ständige Lohnkürzungen steigerte
sich die Empörung in breiten Schichten der Bevölkerung.
Auch die Lage der Chausseearbeiter war furchtbar. Die Erdarbeiter, die
nach dein schlesischen Weberaufstand 1844 ihre Heimat verließen und zum
Bau dieser Chaussee angeworben waren, mußten zum Beispiel 17 Tage
arbeiten, um zwei Taler und zwanzig Schillinge zu verdienen.
Lied
der Erdarbeiter
„Hier
lieg ich fern von meiner Hütte,
Wer kann die Hungertränen sehn?
Mein
Weib in siecher Kinder Mitte,
Die mich um Brot, um Labung flehn;
Der
Säugling, den das Elend wiegt -
Ach, seine Quelle versiegt!
Wir haben
nichts als unseren Jammer,
Ach, keinen Helfer, keinen Freund!
Der Hunger
grinst in unsrer Kammer,
Und keine Hoffnungssonne scheint.
In finst'res
Elend hingebannt, -
Es wollen die frechen Tyrannen
in Ketten und
Kerker Euch bannen.
Auf in die Schlacht,
Vernichtet die böse, die höllische Nacht!"
Es entwickelte sich so
unter den Tagelöhnern eine selbständige Bewegung, die ihre eigenen,
vorwiegend ökonomischen Ziele vertrat und für sie kämpfte. So
versammelten sich im Laufe des April 1848 auf zahlreichen Gütern die
Tagelöhner, legten die Arbeit nieder, berieten ihre Interessen und
stellten gemeinsame Forderungen auf, die von weiteren Landarbeitern
gebilligt und unterschrieben wurden.
Am 22. Mai 1848 zogen 800-1000 Tagelöhner, bewaffnet mit Heugabeln,
Sensen und Flinten, aus 20 Gemeinden (Klockow, Bocksee, Varchentin, Groß
und Klein Dratow, |
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Rethwisch, Rockow, Eikhof, Schwastorf,
Kraase, Lehsten, Groß und Klein Plasten, Deven, Überende, Sorgenlos, Alt
und Neu Schloen, Rügeband und Torgelow) - und aus der Stadt Waren,
vereint mit Gesellen und Chausseearbeitern, in zwei großen Gruppen auf
Torgelow zu, um den verhaßten Gutsbesitzer, Junker von Behr-Negendank,
zu zwingen, die Lebenslage der Landarbeiter zu verbessern und die von ihm
ins Gefängnis geworfenen 5 Landarbeiter zu befreien.
Dieser Aufstand der
Landarbeiter von Torgelow und ihrer Kollegen, welchen ca. 800 Arbeiter
von etwa 15 anderen Gütern, der ritterschaftlichen Ämter Neustadt und
Stavenhagen, durch ihren Marsch noch Torgelow unterstützten, war „eine
vorbereitete und organisierte Aktion, die mit einem allerdings nur
zeitweiligen, aber doch vollen Erfolg" endete. Dieser Aufstand war ein
Höhepunkt innerhalb der revolutionären Traditionen des mecklenburgischen
Proletariats.Am 28. Mai 1848 drangen
die Landarbeiter in das herrschaftliche Schloß Torgelow ein, zerstörten
die Einrichtung und brannten es nieder. Der Gutsbesitzer war flüchtig.
Auch in anderen Gütern wurden die berüchtigten Gutsbesitzer aus den
Dörfern geprügelt. Militär von annähernd 700' Soldaten und 4 Geschützen
wurde nach Waren beordert, um die Unruhen zu ersticken.
Während des ganzen Sommers
dauerten die Kämpfe und Demonstrationen an. Am Abend des 31. Juli kam es
zum erbitterten Gefecht zwischen anrückenden Möllenhagener Tagelöhnern
und von den Junkern herbeigerufenen Dragonern, bei dem ein Tagelöhner
(Fischer) getötet, 17 verwundet (davon 9 schwer) und 42
gefangengenommen wurden. Die Tagelöhner des Gutes Kraase hatten nämlich
in ihrem Kampf gegen die Willkür des Gutsbesitzers Lembke aus
Möllenhagen, Schwastorf, Groß und Klein Dratow Hilfe erhalten. Der
Gutsbesitzer hatte daraufhin als Verstärkung zusätzlich 260 Soldaten
angefordert.Militär schlug schließlich
überall die Aufstände nieder. Allein 385 Landarbeiter aus dem Kreis
Waren wurden vor Gericht gestellt.
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