Möllenhagen - ein Dorf zwischen Industrie und Landwirtschaft
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Rethwisch

Der Ort Rethwisch liegt ca. 18 km östlich von Waren, abseits der B 192, ca. 2 km südlich von Möllenhagen.

Die Rethwischer Flur ist reich an Kuppen, Senken, Niederungen und den drei Seen mit jeweils 11 ha, 3 ha und 1 ha, die teilweise verlandet sind.
Die Vorsilbe „Ret" könnte abgeleitet sein von diesen feuchten Gebieten und „Rote Wiese" (ret = rot) heißen. Auf jeden Fall ist der Ort ein „Rodedorf".

Die Familie Le Fort war, nachdem sie die Gemarkung Möllenhagen besaß, auch Eigentümer von Rethwisch bis 1795. Im Jahre 1796 - 1825 besaß es Kammerherr Ferdinand von Lanken. Die Familie Lanken gehörte dem Uradel der Insel Rügen an, erschien dann seit 1523 in Mecklenburg. 1834 erscheint der Name Ferdinand Friedrich Lanken. 1840 - 1848 taucht der Name Ludwig Friedrich Christoph auf. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erschienen dann Friedrich und Wilhelm Baetcke und in diesem Jahrhundert die Familie Rotter.

Gutshaus und Inspektorhaus (ohne Bild) dienten nach 1945 vielen Menschen als Unterkunft. Das Inspektorhaus wurde dem Verfall überlassen und wurden letzlich 1960 abgerissen. Das Biberschwanzdach des Gutshauses wurde zwar noch einmal neu eingedeckt, jedoch wurde der Erhalt des Hauses der Gemeinde zu teuer. Nach einigen Plünderungsaktionen wurde das Gutshaus abgerissen.

Rethwisch hat für den Ackerbau ungünstige Bodenbedingungen. Hier befindet sich eine große Kiesabbaustelle des Betonwerkes Rethwisch. Das war auch der Grund, weshalb letztendlich die landwirtschaftliche Produktion aufgegeben wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergaben geologische Untersuchungen, daß in der Gemeinde Rethwisch ergiebige Steinadern mit größeren Ablagerungen vorhanden sind.
Hierbei wurde festgestellt, daß das Verhältnis der mit Kies durchsetzten Steinvorkommen 1:2 beträgt und im ungünstigem Falle 1:4. In dem Vorkommen befanden sich Findlinge bis zu einer Gesamtgröße von 6 m³.
Diese Endmoräne führte dazu, daß im 1. Weltkrieg Erhebungen durchgeführt wurden, um die lagernden Steinvorkommen für die Wirtschaft zu gewinnen. Es dauerte aber noch einige Jahre, bis es zur Ausbeutung der Lagerstätten kam. Auf dem nur begrenzt fruchtbaren Boden begann man in den Jahren nach 1920 die Steine zu werben und für die Wirtschaft nutzbar zu machen. Die Deutsche Reichsbahn zeigte großes Interesse an der Lagerstätte, da das vorhandene Steinmaterial für die Herstellung von Schotter bestens geeignet war.

Im Jahre 1920 gehörte das Allodialgut Rethwisch den Brüdern Leutnant a.D. Johannes Rotter und dem Geheimen Sanitätsrat und Professor Dr. Joseph Rotter. Sie wohnten in Berlin. Am 07. Januar 1922 schlossen sie mit dem Deutschen Reichsbahnfiskus einen Vertrag über die Nutzung des Steinvorkommens ab. Es entstand daraufhin ein Schotterwerk zur Herstellung von Schotter und Pflastersteinen für den Bau und den Unterhalt von Eisenbahnen und Straßen. 1925 erfolgte eine Angliederung einer Zementwarenfabrik in der die vorhandenen Kiesvorkommen genutzt wurden. Es wurden u. a. Brunnenrohre, Gehwegplatten, Pfosten und Bahnsteigkanten hergestellt.


Teilansichten des Betriebes um 1930

Die Bodenreform wurde im September bis Dezember 1945 durchgeführt. Frau Helene Rotter wurde mit 260,50 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche enteignet. Danach flüchtete sie.

 
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