Möllenhagen - ein Dorf zwischen Industrie und Landwirtschaft
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Gedenkstein
Quellenangabe: Artikel von  Dr. Klaus Schreiner „FE−Prisma“ − 11. November 1983

Der Gedenkstein in Möllenhagen erinnert an das Gefecht von 1848 zwischen Landarbeitern und Chausseearbeitern mit dem Junkermilitär.

Das Bild stammt aus dem Jahr 1983.
Der Gedenkstein befand sich zu dieser Zeit unmittelbar an der Bundesstraße vor den so genannten Ziegeleihäusern. Im Zuge der Schaffung des Gewerbegebietes und der Tankstelle mussten die Häuser weichen. Der Gedenkstein wurde in diesem Zusammenhang Eingangs der alten Dorfstraße (Am Burgwall) verlegt.


Hintergrundwissen zum Gedenkstein
Mit der Revolution von 1848/49 waren die Volksmassen in Bewegung geraten - auch in unseren Heimatgebieten. Jedoch gestaltete sich die Herausbildung der deutschen Arbeiterbewegung mit ihrer Partei in Mecklenburg und Vorpommern als ein sehr langwieriger Prozeß. Die durch die reaktionären Großgrundbesitzer verschuldete sozialökonomische Rückständigkeit dieses Territoriums verzögerte ihn. Das in den Städten und Dörfern Mecklenburgs und Vorpommerns erst schwach entwickelte Proletariat - überwiegend Handwerksgesellen und Tagelöhner - begann aber, 1848 erstmals mit eigenen sozialen Forderungen aufzutreten. Besonders für das Landproletariat, für die Verbesserung seiner sozialen Lage, waren die in der Revolution 1848/49 auf der Tagesordnung stehende restlose Zerschlagung des feudal-junkerlichen Großgrundbesitzes und die Beseitigung aller noch vorhandenen Feudallasten von größter Bedeutung.
Der Bund der Kommunisten trat in den „Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland" vom März 1848 mit einem konsequent demokratischen Programm in der bürgerlich-demokratischen Revolution 1848/49 auf. Darin wurden auch
die entschädigungslose Abschaffung aller Feudallasten, Abgaben und Fronden, die auf dem Landvolke lasteten, sowie die Umwandlung der fürstlichen und anderen feudalen Landgüter in Staatseigentum verlangt. Die Kommunisten verbanden die grundlegenden Ziele des Befreiungskampfes des Proletariats mit den unmittelbar bevorstehenden revolutionären demokratischen Kampfaufgaben.
Mitglieder des Bundes der Kommunisten nahmen direkten Einfluß auf einige Bauern- und Tagelöhnervereine in Mecklenburg. Karl Marx hatte Kontakt mit der antifeudalen politischen Bewegung in Mecklenburg über Klocksin bei Waren. Im April 1848 erfaßte die revolutionäre Bewegung Bauern und Landarbeiter in Mecklenburg und Vorpommern. Auf den Domänen in Eldena, Güstrow und Schwerin fanden Massenversammlungen der Landarbeiter statt. In Eldena bei Ludwigslust forderten die Vertreter der Landarbeiter, Büdner und Bauern aus 25 Dörfern der umliegenden Ämter die Aufteilung größerer Güter in Bauernhufen und die Bildung freier Dorfgemeinden. Da die Gutsbesitzer auf diese Forderungen nicht eingingen, kam es zu Streiks.
Zum Höhepunkt dieser revolutionären Bewegung wurden die Aktionen im Kreis Waren. Im Mai 1848 zogen etwa 1000 Tagelöhner der umliegenden Dörfer zur Befreiung ihrer inhaftierten Klassenbrüder zum Gut Torgelow, unterstützt von Straßenbauarbeitern sowie Arbeitern aus Waren. Viele waren mit Sensen, Heugabeln, Dreschflegeln und Flinten bewaffnet. Sie verjagten das Junkermilitär und setzten dem Gutsbesitzer den roten Hahn aufs Dach. Am 31. Juli 1848 kam es zwischen Militär und anrückenden Möllenhagener Tagelöhnern zu einem Gefecht. Dabei wurde der Tagelöhner Fischer aus Möllenhagen erschossen.
17 Tagelöhner wurden verwundet. Das Militär machte 42 Gefangene. Die Landarbeiter erlitten eine Niederlage. Die Aufstände und Unruhen wurden überall durch Militär unterdrückt. Arbeiter aus Städten und Dörfern - obwohl unzulänglich gerüstet und vom Bürgertum im Stich gelassen - stellten sich der Reaktion zum Kampf.
Diese ersten gemeinsamen Aktionen von Arbeitern aus den Städten und Tagelöhnern von Rittergütern im Jahre 1848 gehörten zu den Anfängen der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung auf dem Lande in Mecklenburg und Vorpommern.

Die wachsenden Bestrebungen des Proletariats zum Zusammenschluß in eigenen Organisationen und zur Durchsetzung eigener sozialer Forderungen führten während der Revolution zur Herausbildung von Arbeitervereinen der Arbeiter und Hand-
werksgesellen in mehreren Städten. Im August 1848 wurde in Schwerin ein Arbeiterverein
unter Leitung des fortschrittlichen kleinbürgerlichen Demokraten Julius Polentz gegründet.
Der Bildung des Schweriner Arbeitervereins folgten die Gründungen ähnlicher Organisationen in anderen Städten wie Rostock, Güstrow, Wismar, und Greifswald. Im Schweriner Arbeiterverein wirkten die in den Jahren der Revolution in dieser Stadt ansässigen Mitglieder des Bundes der Kommunisten Heinrich Meier und Theodor Hahn. Das 1_ Mitglied der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten Conrad Schramm nahm in Schwerin Verbindung mit Mitgliedern des Bundes der Kommunisten auf und sprach auf Versammlungen.
Marx und Engels bezeichneten in der zweiten Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der
Kommunisten vom Juni 1850 Schwerin als einen Sitz des Bundes in Deutschland und leitenden Kreis in Mecklenburg.
Nach der Auflösung des Bundes der Kommunisten im Jahre 1852, gegen den sich nach der Revolution der Hauptstoß der kleinadlig-junkerlichen Reaktion richtete, förderte die 1864 gegründeten Internationale Arbeiterassoziation, deren führende Köpfe Marx und Engels waren, die Bildung von Arbeiterparteien in den einzelnen Ländern.

 
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